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Wie schreiben wir in Leichter Sprache? Eine praktische Anleitung

Mehr als nur einfache Wörter

Viele Leute denken, Leichte Sprache wäre ganz einfach: Einfach kurze Sätze schreiben und einfache Wörter benutzen. Aber es geht nicht nur um die Auswahl der Wörter und Sätze. Ein Text in Leichter Sprache muss optimiert werden, das heißt: Überflüssige Elemente weglassen, fehlenden Kontext hinzufügen.

Wir erklären Ihnen wie es funktioniert!

Die Grundregeln

Leichte Sprache basiert auf einem Set von Regeln der europäischen Organisation Inclusion Europe. Diese Regeln wurden für jede Sprache angepasst. In Luxemburg gelten die deutschen Regeln für Leichte Sprache und die französischen Regeln für FALC – Facile à lire et à comprendre.

Die wichtigsten Regeln im Überblick

1. Wörter und Vokabular

  • Einfache Wörter benutzen
  • Komplizierte Wörter erklären
  • Eine Form des Wortes benutzen (z.B. „Wähler“ statt „Wählerinnen und Wähler“)
  • Keine Abkürzungen

2. Sätze und Grammatik

  • Kurze Sätze (maximal 1 Idee pro Satz)
  • Direkte Formulierungen: Subjekt – Verb – Verbkomplement
  • Aktiv verwenden (nicht Passiv)
  • Positive Formulierungen (statt Verneinungen)

3. Struktur des Textes

  • Wichtige Informationen kommen am Anfang
  • Ein Absatz = eine Idee
  • Unterüberschriften für klare Struktur
  • Beispiele aus dem Alltag benutzen

4. Visuelle Gestaltung

  • Text nicht im Blocksatz
  • Auf den Kontrast achten
  • Eine passende Schrift benutzen (keine Serifen, groß genug)
  • Großzügiger Zeilenabstand
  • Kein Zeilenumbruch (Worttrennung)
  • Keine kursive Schrift (Italique)

5. Bilder und Piktogramme

Neben dem Text ist es sehr wichtig, das Dokument gut zu strukturieren und passende Illustrationen und Piktogramme zu benutzen.

Ein konkretes Beispiel

Nehmen wir die deutsche Leichte Sprache

Original: „Die COPAS vertritt die Pflegedienstleister in Luxemburg, die im Bereich der Betreuung und Pflege von älteren und kranken Menschen tätig sind oder in der Betreuung von Menschen mit psychischen Erkrankungen und einer Behinderung.

Die COPAS zählt 58 Mitglieder, die nahezu alle Wohneinrichtungen für ältere Menschen, Tagesstätten für ältere Menschen, Betreuungsstätten für Menschen mit einer Behinderung, ambulante Pflegedienste und Strukturen für Menschen mit psychiatrischen Erkrankungen im Großherzogtum umfassen.

Diese Einrichtungen beschäftigen mehr als 13.000 Mitarbeiter in der Betreuung pflegebedürftiger Menschen.“

In Leichter Sprache: „Die COPAS ist ein Dach-Verband. Ein Dach-Verband ist wie ein Verein oder eine Gruppe. Hier ist es eine Gruppe von Firmen.

Diese Firmen bieten Hilfs- und Pflege-Dienste in Luxemburg an. Wir schreiben hier für all diese Dienste: Hilfs-Dienste. Die Dienste unterstützen Menschen, die Hilfe brauchen. Zum Beispiel: alte Menschen, kranke Menschen, Menschen mit einer Behinderung.

Die COPAS ist der Dach-Verband für diese Hilfs- und Pflege-Dienste. Wir sagen für diese Dienste auch: Firma (Firmen), Betrieb.

Zu der COPAS gehören 58 Firmen: Die Firmen sind Mitglied oder „Member“ in der COPAS. In den Firmen arbeiten mehr als 13 000 Menschen (13 Tausend).

Zu den Mitgliedern der COPAS gehören:

Wohnstrukturen für ältere Menschen Einrichtungen für Menschen mit einer Behinderung Einrichtungen für Menschen mit einer psychischen Erkrankung ambulante Hilfs- und Pflege-Dienste: diese Dienste fahren zu den Menschen nach Hause. Sie helfen zum Beispiel beim Waschen oder Anziehen.“

Wie viel Zeit braucht man?

Man braucht ungefähr 2 Stunden, um einen einzigen Text von 500 Wörtern in Leichte Sprache zu übersetzen. Das ist viel mehr Arbeit als eine normale Übersetzung, weil man den Text komplett neu strukturieren muss.

Validierung: Der wichtigste Schritt

Nachdem Sie Ihren Text geschrieben haben, schicken Sie ihn an Klaro. Dort wird der Text an den Workshop „Isie“ geschickt. Diese Prüfer sind Menschen mit intellektueller Beeinträchtigung, die für diese Arbeit bezahlt werden.

Es kann ein Austausch zwischen den Autoren und den Prüfern stattfinden. Die Prüfer schlagen regelmäßig Verbesserungen vor. Wenn der Text validiert ist und die Regeln respektiert, bekommt er das Logo „Easy to Read“ von Inclusion Europe.

Eine wichtige Nuance

Die Prüfer vom Atelier Isie lesen hauptsächlich Texte auf Deutsch in Leichter Sprache, weil Deutsch einfacher für Luxemburger ist. Aber wegen der multilingualen Situation im Land empfiehlt Klaro zwei Versionen von jedem Text: einmal in „Leichte Sprache“ und einmal in FALC. Die Wahl hängt aber von der Zielgruppe ab.

Warum so viel Arbeit?

Ein Sprachniveau B2-C1 (normale administrative Texte) ist viel zu schwierig für viele Leute. Leichte Sprache entspricht einem Niveau A1. Dies erlaubt es Personen mit intellektueller Beeinträchtigung, die Information zu verstehen – aber auch Leuten, die nicht gut Deutsch oder Französisch können.

Tipp: Wenn Sie mit Leichter Sprache anfangen wollen, können Sie eine Fortbildung bei Klaro machen. Sie bieten regelmäßig Kurse bei den Organisationen INAP, UFEP und IFEN an.


Quellen: